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Freitag, 26. Juli 2019

Gesellenbrief von 1754

Dr. Marlies Wigge vom Heimatbund Lippstadt (r.) übergibt den Gesellenbrief an das Stadtarchiv. Dr. Claudias Becker (m.) und Anna Krakowski (l.) freuen sich sehr über das einzigartige Schriftstück. Foto: Stadt Lippstadt

"Ein einzigartiges Schriftstück", freut sich Dr. Claudia Becker über den neuesten Zugang für das Stadtarchiv. Der Gesellenbrief von Johannes Schütte aus dem Jahr 1754 konnte dank der finanziellen Unterstützung des Heimatbunds Lippstadt jetzt in den Bestand des Archivs aufgenommen werden. Dafür bedankte sich Dr. Claudia Becker bei der Übergabe der Urkunde herzlich bei der ersten Vorsitzenden des Heimatbunds Lippstadt, Dr. Marlies Wigge. Das Stadtarchiv verfügt nicht über einen eigenen Anschaffungsetat, weil Unterlagen üblicherweise aus städtischer Herkunft stammen und aufgrund der Bestimmungen des NRW-Archivgesetzes kostenlos an das Archiv abgegeben werden.

 

"Deswegen freuen wir uns sehr, dass der Heimatbund uns hier unterstützt hat und wir so diese bedeutende Urkunde aus Privatbesitz erhalten konnten", so Becker. Aus dem Schriftstück geht hervor, dass Johannes Schütte, gebürtig aus Fürstenberg im Paderbornischen, von 1745 bis 1748 bei dem Schreinermeister Heinrich Schweins in Lippstadt eine Lehre absolviert und diese erfolgreich abgeschlossen hat. Denn 1754 ließ sich Schütte darüber den vorliegenden Gesellenbrief ausstellen, da er sich anderorts häuslich niederlassen wollte und hierfür einen Nachweis über seine Ausbildung benötigte.

 

"Ein solcher Brief war damals noch nicht die Regel, wurde also nicht automatisch nach Ende der Lehrzeit ausgestellt", betont Claudia Becker. Aber auch in anderer Hinsicht ist das Schriftstück besonders: "Aus anderen Städten aus jener Zeit sind Gesellenbriefe mit vorgedruckten Formularteilen überliefert. Solche einfachen Dokumente nahmen Handwerker meist auf die Wanderschaft mit, während das schmuckvoll gestaltete Exemplar in der Zunftlade verblieb", erklärt Becker. "Der Gesellenbrief des Lippstädter Schreineramtes von 1754 ist daher ein einzigartiges Stück, bislang war in den hiesigen Archivbeständen kein derartiges Dokument zu ermitteln."

 

Eine Übertragung des Dokuments in die heutige Schrift hat Anna Krakowski, Auszubildende im Stadtarchiv, bereits vorgenommen. Auffällig dabei ist: Die Urkunde bescheinigt dem Gesellen nicht etwa seine in der Lehre erworbenen Sach- und Fachkenntnisse, sondern vielmehr seinen untadeligen Ruf nämlich, dass er von "untadeligen Eltern geboren" wurde, "ehrlich und getreu" sowie "christlich, fromm, friedlich und redlich" sei. "Das war allerdings zu der Zeit so üblich", berichtet Becker. Historisch auch interessant: "Die Schreiner waren die letzte Handwerkergruppe in Lippstadt, die das Recht auf Bildung einer Zunft erhielt - erst 1672 und dann auch erst nach langen vergeblichen Versuchen. Und ausgerechnet von denen ist der prachtvolle Gesellenbrief überliefert!", erzählt Claudia Becker begeistert.

 

Nach einer Restaurierung in Münster kann das Schriftstück in Zukunft im Stadtarchiv sachgerecht aufbewahrt und von Interessierten eingesehen werden.


 

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