Dies & Das
Freitag, 29. März 2019

Ein Alltag ohne Plastik

Frauke Mönkeberg, VHS-Leiterin, Nadine Schubert, Autorin, Gabi Staats, SI Club Lippstadt Präsidentin

Klimawandel, Umweltschutz, Plastikmüll im Meer ... alles keine neuen Themen und doch scheint gerade eine flächendeckende Bewegung in unserer Gesellschaft sich in Gang zu setzen. So auch in Lippstadt. Dies bewies der ausverkaufte VHS-Vortrag "Leben ohne Plastik" in Kooperation mit dem SI Club Lippstadt.

 

Die Kernaussage des Vortrags mit der Bloggerin Nadine Schubert war: "Alles bleibt ganz normal nur mit weniger Plastikmüll." Während ihres lebendigen Vortrags nahm sie das Publikum mit auf eine Reise durch ihren plastikfreien Haushalt in Bayern.

 

Ein Leben ohne Plastik ist nicht nur was für Besserverdiener. "Dies ist ein Vorurteil", behauptet Nadine Schubert, "Im Gegenteil das Leben meiner Familie ist viel günstiger geworden. Ich brauche für meine 4-köpfige Familie nicht mehr als 70 - 80 € Woche inklusive meiner Bio-Gemüsekiste." Woran spart sie? An Fleisch, denn sie isst keines und ihr Mann geht mittags auswärts essen. Einmal im Quartal geht es in den Unverpackt-Laden nach Bamberg und ansonsten wird einmal in der Woche im Tante Emmaladen vor Ort eingekauft. An vielen Beispielen zeigt sie auf, wie Einkaufen anders gehen kann. Am Ende forderte sie das Publikum auf: "Ihr Kassenzettel ist ein Stimmzettel. Das haben wir in der Hand, in dem wir diesen Schmarrn nicht mehr kaufen."

 

Selbermachen gehört für die Bloggerin im Leben ohne Plastik dazu. Die Grundzutaten für Waschmittel sind: Kernseife, Waschsoda, Zitronensäure und Essigessenz. Und dann wird abends fleißig der Seifenblock in Flocken gehobelt, das perfekte neue Männerhobby. 750 g Seifenflocken ergeben 306 Waschmaschinengänge. Eine Waschladung kostet bei der fränkischen Familie Schubert nur noch 2 Cent. Und um den Grauschleier aus der weißen Wäsche herauszubekommen, wird weißer Eierschalenkonfetti im Stoffsäckchen hinzugegeben.

 

Einen Einblick in die weiblichen Rituale der 2-fachen Mutter zu bekommen, war recht amüsant. Zum einen wird der vor vielen Jahren gekaufte Lippenstift nicht mehr weiter geschont, sondern endlich gebraucht. Und zum anderen zeigte sie ungewöhnliche Alternativen auf: Selbstgemachtes Rouge aus getrockneter rote Beete. "Riecht ein wenig nach Gemüsebrühe, aber das vergeht schnell wieder", kommentierte Schubert ihre Erfahrungen damit. Mit Kaffeesatz haben wir ein sehr effektives Körperpeeling, das auch wirklich alles wegrubbelt. Selbstgemachte Körperseife, Rasierseife und Haarseife kommen in der Familie Schubert zum Einsatz. "Beim ersten Einsatz von Haarseife, kann es sein, dass Sie danach aussehen als hätten Sie drei Wochen lang Ihre Haare nicht gewaschen", gab die Referentin als Tipp mit.

 

Die Autorin hat für die gesamte Familie entschieden ohne Plastik zu leben. Ihre Kinder führen trotzdem ein ganz normales Leben und sagen weiterhin Mama zu ihr. "Wir haben die Gewohnheiten verändert. Naschen nachmittags Gebäck oder Kuchen und einmal im Quartal gibt es ein großes Glas voll Gummibärchen aus dem Unverpacktladen für 13 €. Die Kinder haben gelernt, sich diese gut einzuteilen. Als Nachtisch am Abend gibt es Joghurt aus dem Glas." Zum Anziehen gibt es ein Paar Schuhe pro Saison und nicht fünf Paar. Die Kinder sehen dennoch ganz normal aus und wissen im Gegensatz zu vielen anderen Kindern, dass man auch ohne Duschgel duschen kann, denn dafür haben sie selbstgemachte Seife. Den Zuhörern empfiehlt sie eine Woche gemeinsames Plastikfasten mit den Kindern. "Am Ende der Woche werden Sie überrascht sein, wie viele Alternativideen den Kindern selber einfallen." Trotzdem wünscht sich ihre Tochter ein Babypferd aus Plastik und nicht aus Holz.

 

Die Autorin verkaufte am Ende "Spermafreundliche Mehrwegflaschen namens Emil". Grund dafür ist eine Geschichte von einem Sportler aus ihrem Bekanntenkreis, der unfruchtbar war. 90 % der Spermien waren nicht mehr lebensfähig. Auslöser war die PET-Flasche beim Sport. Acht Wochen PET-Flaschen Abstinenz hatte zum Ergebnis, dass 55 % der Spermien sich wieder erholt hatten. Fazit für Nadine Schubert: "Plastik ist ziemlich schlecht fürs Sperma. Das muss ich euch Männern sagen." Allerdings gab Nadine Schubert zu, dass auch sie nicht jeden erreicht. Da wären zum Beispiel die beiden "Plastik-Omas", bei denen nicht nur die Kinder gerne sind. Ihr Botschaft am Ende: "Es sei nicht wichtig, womit man anfängt, sondern dass man anfängt." 


 

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