Kunst & Kultur

„Sie kam aus Mariupol“

Natascha Wodins Familiengeschichte "Sie kam aus Mariupol", aus der sie am Freitag, 17. September 2021, um 20 Uhr im Stadttheater Lippstadt lesen wird, ist eine außergewöhnliche, berührende Spurensicherung.

 

Einblicke in die Familiengeschichte

"Dass ich den Namen meiner Mutter in die Suchmaschine des russischen Internets eintippte, war nicht viel mehr als eine Spielerei. Im Lauf der Jahrzehnte hatte ich immer wieder versucht, eine Spur von ihr zu finden. Im Zweiten Weltkrieg hatte man sie als Dreiundzwanzigjährige zusammen mit meinem Vater aus Mariupol zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert, ich wusste nur, dass beide in einem Rüstungsbetrieb des Flick-Konzerns in Leipzig eingesetzt waren.

 

Eine berührende Spurensicherung

Elf Jahre nach Kriegsende hatte meine Mutter sich in einer westdeutschen Kleinstadt das Leben genommen, unweit einer Siedlung für heimatlose Ausländer, wie man die ehemaligen Zwangsarbeiter damals nannte. Außer meiner Schwester und mir gab es wahrscheinlich auf der Welt keinen einzigen Menschen mehr, der sie noch gekannt hatte." Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler hat in ihrer Laudatio trefflich zusammengefasst, was den Roman ausmacht: "Nur an menschlichen Einzelschicksalen, wie bruchstückhaft auch immer, lässt sich aufzeigen, wie Geschichtsereignisse in individuelle Biografien eingreifen."
 
 
Karten können in der Kulturinformation Lippstadt im Rathaus, Tel. (0 29 41) 5 85 11 oder per Mail: post@kulturinfo-lippstadt.de gebucht werden.